Führung durch das Stadion an der Grünwalder Straße am 25. September 2015

Unser fünfter Ausbildungstermin führte uns am 25. September 2015 in das „Städtische Stadion an der Grünwalder Straße“. Hier führte uns Roman Beer, Autor des Buchs „Kultstätte an der Grünwalder Straße“ und Stellvertretender Leiter der Fußballabteilung des TSV 1860 München, durch die Ostkurve und die Haupttribüne und informierte uns dabei über die Geschichte des ältesten noch erhaltenen Stadions Münchens.

P1110601Dazu erzählte Roman Beer auch einige nette Anekdoten, wie z.B. den „Treppenwitz“ aus den 50er Jahren: Die Stufen in der Ostkurve waren derart flach gebaut, dass kleinere Zuschauer keine Sicht auf den Platz hatten, wenn vor ihnen größere Personen standen. Oder die Geschichte, als der KSC bei 1860 zu Gast war: Nachdem die Löwenspieler zu den Umkleidekabinen rechts abgebogen waren, gingen die Karlsruher Kicker automatisch nach links – und fanden sich in der Stadiongaststätte wieder. Lange vergessen ist auch, dass es neben dem „Taferlmo“, der den Spielstand auf der Anzeigetafel bis heute mit Hilfe einer Stange aktualisiert, früher auch einen „Zeitbeauftragten“ gab, der minütlich den Zeiger manuell weiter bewegte – zum Spielende hin, wenn es knapp wurde, vergingen die Minuten dann auch schon einmal schneller…

Jetzt aber zur Geschichte des Stadions:

1911 zogen die Fußballer des TSV 1860 München vom Alpenplatz an die Grünwalder Straße und bauten bald auch bereits die erste Tribüne, die im Volksmund „Zündholzschachterl“ genannt wurde. 1922 kaufte der Verein das Grundstück und baute das Stadion zum größten Stadion Münchens aus: Eine neue Haupttribüne wurde gebaut, die Stehhalle auf der gegenüberliegenden Seite errichtet, in den Kurven wurden Erdwälle aufgeschüttet. In den 20er Jahren besuchten am Sechzger-Platz durchschnittlich ca. 10.000 Personen die Fußballspiele der Löwen, des FC Bayern und von Wacker München, bei Derbys kamen zwischen 20.000 und 30.000 Zuschauer. Als Folge der Weltwirtschaftskrise musste der TSV 1860 München das Stadion verkaufen; aufgrund der guten Beziehungen zwischen dem Verein und der nationalsozialistischen Stadtregierung konnte hier ein guter Preis erzielt werden. Seit 1939 ist das Stadion in städtischem Besitz.

Im 2. Weltkrieg wurde das Stadion von mehreren Bomben getroffen und stark zerstört. Noch während des Wiederaufbaus fand am 14. März 1948 das Spiel TSV 1860 München – 1. FC Nürnberg statt (2:1), zu dem 58.000 Zuschauer ins Stadion drängten – Zuschauerrekord! Die neu gebauten Tribünen mussten 1971 bzw. 1972 noch einmal erneuert werden, da sie durch einen Brandanschlag (Haupttribüne) bzw. einen Orkanschaden (Stehhalle) zerstört wurden. In den 70er Jahren führte das „Grünwalder Stadion“ ein Schattendasein , denn der FC Bayern war nach Eröffnung des Olympiastadions sofort umgezogen und die Sechzger wechselten zwischen den beiden Stadien hin und her. Nach dem Zwangsabstieg 1982 kehrten die Löwen wieder an die Grünwalder Straße zurück, wo sie bis 1995 blieben und nur in der Saison 2004/2005 noch einmal spielten.

Um die Jahrtausendwende wurden Pläne der Stadt laut, das Stadion zu verkaufen. Es gab dazu auch einen entsprechenden Stadtratsbeschluss, der 2009 widerrufen wurde. Nach dem Ausbau in den Jahren 2012/13 sind zur Zeit 12.500 Zuschauer im Stadion zugelassen. Eine Erweiterung der Zuschauerzahl auf ca. 20.000 wäre bei einer Renovierung der Westkurve möglich. Eine Rückkehr der ersten Mannschaft das TSV 1860 München an die Grünwader Straße erscheint allerdings eher unwahrscheinlich.

Vielen Dank an Roman Beer für die interessante und lebhafte Führung! Und vielen Dank an die Platzwarte Günter Kaiser und Oleg, die  uns nicht nur Zugang zu den Katakomben in der Haupttribüne gewährten, sondern auch Wissenswertes und Amüsantes beitrugen!

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