Besuch beim TSV Maccabi München am 25. Oktober 2015

Am Sonntagvormittag herrscht auf dem Fußballplatz des TSV Maccabi München e.V. in Riem Hochbetrieb: Auf dem Kunstrasen kicken die ganz Kleinen, während auf dem „Kurt-Landauer-Platz“ die D-Jugend um den Aufstieg spielt. Zahlreiche Eltern stehen am Spielfeldrand, ein Team des Bayerischen Rundfunks, das eine Reportage über jüdisches Leben in Bayern dreht, begleitet Präsident Robby Rajber über die Anlage. Trotz des ganzen Trubels nimmt sich Manager Maurice Schreibmann Zeit für uns und erzählt über „seinen“ Verein: Der TSV Maccabi München e.V. wurde 1965 gegründet, hat heute ca. 1200 Mitglieder und besteht aus den Abteilungen Fußball, Tennis, Karate, Tischtennis, Gymnastik, Ballett, Hip Hop Dance, Israelischer Tanz, Volleyball und Hockey. Die Fußballabteilung ist eine der jüngsten Abteilungen und wurde von Maurice, der selbst ein sehr guter und begeisterter Fußballer war, mitbegründet. Erst seit zehn Jahren nimmt die Herrenmannschaft am Ligabetrieb teil. Seitdem erfreut sich die Abteilung über hohen Zulauf und es gibt Mannschaften in allen Jahrgangsstufen, von der G-Jugend bis zu den „Alten Herren“. IMG_3517Maurice erzählt, dass sie leider viele Jugendspieler ablehnen müssen, da die Mannschaftsgröße mit 20 Spielern schon erreicht ist. Bemerkenswert ist, dass sehr viele Spieler ihrem Verein treu bleiben und alle Jugendmannschaften durchlaufen. Dies wirke sich auch sehr positiv auf die Mannschaftsgefüge und das Vereinsleben aus, sagt Maurice. Die erste Herrenmannschaft spielt momentan in der B-Klasse; Ziel ist ein Aufstieg in die Kreisliga den nächsten Jahren. Während unseres Gesprächs bekommen wir mit, wie eine überambitionierte Mutter eines Truderinger Spielers sich lautstark über ein Foul an ihrem Sohn beschwert; bei Maccabi München wäre so etwas nicht erwünscht: die Spielereltern werden darauf hingewiesen, sich nicht in ein Spiel einzumischen, denn die Jungs sollen zu Selbstständigkeit und eigenverantwortlichem Handeln  erzogen werden. Dem Spieler ist das Verhalten seiner Mutter auch sichtbar peinlich und er bittet sie sich rauszuhalten.

Zurück zu Maccabi: Auf die Frage, ob die Spieler mit antisemitischen Schmähungen konfrontiert werden, antwortet Maurice überraschend, dass dies abhängig sei von der sportlichen Leistung: Wenn die Mannschaft gut spielt, sei das kein Thema. Abgesehen davon sind von den Spielern ohnehin nur etwa 20% jüdischen Glaubens. Der Verein legt viel Wert auf Integration und bietet daher allen Sportlern unabhängig von Herkunft,  Bildung, Nationalität oder Religion eine Heimat. Aus diesem Grund lehnt Maurice auch reine Migrantensportvereine ab.

IMG_3516Über Maccabi München ließe sich noch viel erzählen: Zum Beispiel, dass zur Eröffnung des „Kurt-Landauer-Platzes“ 2010 die „FC Bayern Allstars“ antraten; oder dass Maccabi München über den Sport hinaus aktiv ist und z.B. das Musikprojekt „Music for Goals“ mitinitiiert hat.

Nach dem Spiel der D-Jugend, das diese leider 0:2 verloren hat, wärmen wir uns in der Vereinsgaststätte „Eclipse“ auf und genießen dort noch einen sehr guten Falafel-Vorspeisenteller. Ein Besuch bei Maccabi München ist nicht nur deshalb  zu empfehlen – allerdings nur sonntags, denn am Samstag, dem Sabbat, spielen die Teams von Maccabi München nicht.